Was ist Spiritualität, ein spiritueller Mensch?

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was ist Spiritualität – vom Ich zum Selbst
  2. Zuerst sein weltliches Ich finden
  3. Ein typisches Beispiel zur Ich-Werdung
  4. Spiritualität kommt mit der Selbst-Werdung
  5. Spirituell dank der Bedeutung der Ich-Werdung
  6. Spirituell, aber die Bedeutung des Mensch-Seins verachten?
  7. Wie Ich- und Selbst-Werdung ineinandergreifen
  8. Wer ist Chef, wer Diener?
  9. Das Ich oder das Selbst leben
  10. Spirituell leben als Diener des Selbst
  11. Was bedeutet spirituell leben in Religion und Esoterik?
  12. Was bedeutet spirituell leben in der Kirche?
  13. Die Anziehungskraft der Esoterik
  14. Spiritualität oder mehr Schein als Sein?
Kerzenlicht einer Hindu-Frau im Dunklen

Was ist Spiritualität – vom Ich zum Selbst

Ein zweiphasiger Prozess aus Ich-Werdung und Selbst-Werdung führt zu gewachsener Spiritualität. Der Entwicklungsprozess betrifft alle Menschen und hilft, spirituell leben zu lernen.

Ein einfaches Entwicklungsmodell wirft Licht auf die Frage „Was ist Spiritualität“ bzw. was bedeutet spirituell leben eigentlich? Dieses einfache, aber sehr elementare menschliche Entwicklungsmodell besteht aus zwei Phasen. C.G. Jung sprach von Ich-Werdung und Selbst-Werdung. Schon lange vor C.G. Jung lehrten einige Religionen und Philosophen mit anderen Bezeichnungen im Grunde dasselbe: Abstieg und Aufstieg, Involution und Evolution, Verwicklung und Entwicklung, Verkörperung und Vergeistigung.

Zuerst sein weltliches Ich finden

In der Ich-Werdung baut der Mensch eine Identität und Persönlichkeit auf, nimmt soziale Rollen an. Er entdeckt seine individuellen Eigenschaften und Bedürfnisse, die ihn von anderen unterscheiden. Der Ich-Werdungsmensch entdeckt aber nicht nur sein „weltliches Ich“, er will es außerdem aktiv verwirklichen. Er geht wie der Märchenheld hinaus in die Welt, um sich dort „das Seine“ zu holen. Der Ich-Mensch sucht und findet seinen Platz im Leben, d.h., in Beruf, Familie und Gesellschaft.

Wie erfolgreich der Ich-Mensch dabei vorgeht, spielt für unser Modell zunächst mal keine Rolle. Entscheidend ist die ich-betonte, typisch weltliche Lebenseinstellung dahinter. Darin unterscheiden sich Ich-Mensch und spiritueller Mensch, der natürlich trotzdem einen normalen Beruf und Familie haben kann.

Ein typisches Beispiel zur Ich-Werdung

Stellen Sie sich einen 50-jährigen Mann vor, der sich wie folgt beschreibt: „Ich bin wie mein Vater Lehrer und außerdem Familienvater. Als Lehrer kann ich Wissen vermitteln und genau das will ich tun. Ich bin in einer eher armen Familie aufgewachsen und genieße jetzt gemeinsam mit meiner Frau das nicht luxuriöse aber doch materiell sorgenfreie Leben. Die Vaterrolle habe ich nur zögerlich, aber mit zunehmender Freude angenommen. Für Religion und Spiritualität habe ich nicht allzu viel übrig. Ich glaube, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.“

Dieser Mann weiß, wer er ist. Er hat seinen Platz in der Gesellschaft gefunden und einige seiner Wünsche erfüllt. Seine Ich-Werdung hat stattgefunden. Er ist kein spiritueller Mensch, die Bedeutung eines solchen ist ihm egal und er vermisst nichts dabei. Es gibt unzählige ähnliche Beispiele von Menschen im mittleren Alter. So weit, so gut.

Spiritualität kommt mit der Selbst-Werdung

Der Ich-Werdung folgt die Selbst-Werdung. Mit ihr beginnt nun im weitesten Sinne „Spiritualität“ Einzug zu halten. Die üblichen Werte wie Karriere, Geld, Sexualität, harmonische Familie, Akzeptanz im Freundeskreis usw. verlieren an Bedeutung. Man beginnt das bisherige Leben in Frage zu stellen und nachdenklich etwas Anderes zu suchen, irgendeinen höheren Lebenssinn. Die Interessen verschieben sich in eine stärker geistige oder psychologische Richtung.

Wie könnte das bei unserem 50-Jährigen aussehen? Ausgelöst durch den Tod des Vaters ändert sich sein Leben. Das intellektuelle Wissen eines Lehrers weicht immer mehr einem ganzheitlichen Verstehen der Welt und dem Wunsch nach Selbsterkenntnis. Er liest nun gelegentlich Bücher über Philosophie und Psychologie. Ab und zu meditiert er und sucht die Einsamkeit in der Natur. Er fragt sich erstmals „Was ist Spiritualität“ überhaupt? Was bedeutet spirituell sein für mich bzw. welche Bedeutung könnte es haben?

Geschäftsmann auf GipfelEin spiritueller Mensch, der meditiert

Beruflich erfolgreich „oben“ ankommen (Ich-Werdung) oder als spiritueller Mensch statt des Karrieregipfels geistige Höhen erstrebend (Selbst-Werdung).

Eigentlich nicht religiös veranlagt, fragt er sich jetzt, ob und welche Art von Gott es gibt. Was bedeutet spirituell leben für einen eher unreligiösen Menschen? Kann man ohne Religion und Kirche überhaupt ein spiritueller Mensch werden? Welche Arten von Liebe, z.B. karmische Liebe, Seelenpartner usw. gibt es? Welche Art von Liebe verbindet ihn mit seiner Frau, was verband ihn mit seinem Vater? All diese Dinge beschäftigen ihn nun. Seine alten Freunde trifft er immer seltener und seine Hobbys gibt er weitgehend auf.

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Spirituell dank der Bedeutung der Ich-Werdung

Spirituell sein setzt voraus, die Bedeutung eines normalen, menschlichen Ich-Lebens erfahren zu haben. Nur aus der vorherigen Ich-Werdung erwächst eine nachhaltige Selbst-Werdung.

Jede Religion misst dem Begriff „spirituell“ Bedeutung zu, irgendeine spezifische Definition und Bedeutung. Meist erfahren wir von irgendwelchen Aktivitäten, die Spiritualität aufblühen lassen. Mit Hilfe z.B. von Meditation, Gebet und Glaubenskraft soll der Mensch seiner Gottesvorstellung näher kommen. Fast immer läuft es darauf hinaus, spirituelle Dinge zu tun, um spirituell zu werden. Das normale weltliche Leben hingegen wird fast ausschließlich als hinderlicher Gegensatz angesehen.

Spirituell, aber die Bedeutung des Mensch-Seins verachten?

Nur wenige religiöse Lehren gestehen der Ich-Werdung einen expliziten Wert und höheren Sinn zu. Nur wenige erkennen die sehr konkrete Bedeutung des normalen Ich-Lebens für die anschließende Spiritualität. Aus diesem Grunde gefällt mir das ganzheitliche Modell der Ich-Werdung und Selbst-Werdung so gut. Denn es verbindet beide Seiten und lehrt eine fundamentale Wahrheit, an der viele scheitern: spirituell leben und Selbst-Werdung setzt zwingend Ich-Werdung voraus.

Es gibt da keine Abkürzung und viele Geistliche ebenso wie Esoteriker betreiben Weltflucht, statt sich ihren Ich-Wünschen zu stellen. Der Zölibat, also das ehelose und sexlose Leben katholischer Priester liefert uns hier ein Paradebeispiel. Ohne vorher gelebte Sexualität finden weder Priester zu einem gesunden Zölibat noch andere Menschen zu höherer Liebe. Nicht umsonst zieht sich der fundamentale Grundgedanke des „vorher Mensch sein“ wie ein roter Faden durch mein Buch über Spiritualität und Liebe.

Wie sagte Franz von Assisi treffend „Wir verlangen manchmal so sehr, Engel zu sein, dass wir darüber vergessen, vorher gute Menschen zu sein.“

Ich-Werdung ist sinnvoll, natürlich und gut. Es ist gut, ein weltlicher, zunächst mal keineswegs spiritueller Mensch zu sein. Nur wer in allen Ehren ein echter Mensch wird und diese Schale bis zur Neige austrinkt, kann dann ein authentisches Selbst und echte Spiritualität entwickeln. Beispiele hierzu finden Sie oft in Biografien besonderer Menschen.

Wie Ich- und Selbst-Werdung ineinandergreifen

Schmetterling: symbolisch spirituell von Bedeutung
Ein Symbol, das spirituell Bedeutung hat

Zugegeben, viele hängen zu sehr am weltlichen Ich-Leben. Trotzdem, nur aus einem Saulus kann ein heiliger Paulus werden. Und auch der oben zitierte Franziskus lebte als junger Mann ganz und gar nicht spirituell.

Nur eine fertig entwickelte Raupe kann sich zu einem Schmetterling verwandeln. Nur wer ein Ich hat, hat etwas, das sich in ein Selbst verwandeln kann. Und nur ein stabiles Ich kann Werkzeug des Selbst werden.

Wer spirituell sein will, muss die Bedeutung des normalen, nicht-spirituellen Lebens erfahren haben. Beides hängt außerdem qualitativ und inhaltlich voneinander ab. Aus einer großen roten Raupe wird kein kleiner gelber Schmetterling, sondern ein großer roter.

Ich-Werdung und Selbst-Werdung erfolgen natürlich nicht streng voneinander getrennt hintereinander. Stets ist beides gleichzeitig am Werk; die Frage ist nur, mit welcher Gewichteverteilung. Die meisten Menschen beschäftigen sich zeitlebens zu ca. 90 % mit ihrer Ich-Werdung. Viele erleben speziell in der sogenannten Midlife-Crisis eine explizite Chance und Herausforderung, den Weg der Selbst-Werdung und Spiritualität zu beschreiten. Nur wenige allerdings leben von da an konsequent spirituell.

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Wer ist Chef, wer Diener?

Mit zunehmender Spiritualität öffnet sich das Ich dem Selbst und nimmt dessen Qualitäten an. Das Ich wird immer mehr zum individuellen Ausdruck, Diener und Boten des Selbst.

Mit zunehmender Selbst-Werdung identifizieren wir uns immer mehr mit dem Selbst. Die Frage „was ist Spiritualität“ hängt daher weitgehend von der Natur und Bedeutung dieses sog. Selbstes ab. Was ist das Selbst? Klar, es ist spirituell, aber was bedeutet spirituell sein denn nun ganz genau? Wie sieht unser Leben aus, wenn wir es aus dem Selbst heraus gestalten?

Das Ich oder das Selbst leben

Leben wir aus dem Ich heraus, so leiten uns immer ganz bestimmte Bedürfnisse und Wünsche; körperliche, emotionale und rational-verstehende Wünsche. Wir trösten uns nach einem Misserfolg z.B. mit Schokolade oder wir fühlen uns einsam und ersehnen eine Beziehung. Sexuelle Befriedigung spielt eine große Rolle. Wir studieren jahrelang, weil wir gerne anerkannter Experte wären usw. usw.

Das Selbst hingegen sieht das Leben aus einer höheren, ganzheitlichen Perspektive. Als ich mit 22 Jahren ernsthaft überlegte, Jura zu studieren, meldete sich mein Selbst in einem Traum und sagte „Nein“. Es kannte meinen gesamten Lebensplan und wusste, dass es mich auf ein Nebengleis führen würde. Das Selbst lehnt Ich-Wünsche keineswegs pauschal ab. Schließlich sind wir Menschen und unsere Wünsche treiben uns an zu leben. Die Frage ist, welche Wünsche und Motivationen uns antreiben …

Das Selbst ist eine Art „höheres“ Ich, einige nennen es daher „das Höhere Selbst“. Es schlägt eine Brücke zu der Präsenz, die wir Gott nennen. Das Selbst ist der spirituelle Kern in jedem Menschen, manche definieren es missverständlich als die Seele, siehe was ist die Seele. Je ganzheitlicher und geistiger wir unser Leben gestalten, desto mehr führt das Selbst Regie. Und desto mehr leben wir automatisch spirituell.

Spirituell leben als Diener des Selbst

Egal, wie sehr jemand spirituell leben kann, das Ich verschwindet nie völlig. Es gehört zum Menschsein wie der Körper. Stellen Sie sich einen Kreis (Ich) innerhalb eines größeren Kreises (Selbst) vor. Mit zunehmendem Bewusstsein und Spiritualität dehnt sich der kleinere Ich-Kreis immer weiter aus, nähert sich dem Selbst-Kreis. Bei einem göttlich erleuchteten Menschen berühren sich beide Kreislinien sogar. Der Ich-Kreis bzw. das Ich-Bewusstsein als solches bleibt aber stets vorhanden.

Missverstehen Sie das gereift wachsende Ich nicht als verstärktes Ich eines Ich-Menschen. Warum? Weil der wachsende Ich-Kreis immer mehr das Wesen des Selbstes annimmt. Je mehr sich das Ich zum Selbst hin ausdehnt („Bewusstseinserweiterung“), desto mehr verliert es seine typischen Ich-Eigenschaften. Es wird vielmehr zum Gesandten, Diener und Ausführenden des Selbst. Das bewusste Ich handelt, denkt und lebt dann als freiwilliger Diener des Chef-Selbstes. Beide werden immer mehr eins.

Engel-Statue, beschützend die Hand über uns haltendEngel verkündet die Geburt von Jesus

Mal beschützend die Hand über uns uns haltend oder eine Botschaft mitteilen: Engel sind dienende Ausführer und Sprachrohr Gottes. Im Idealfall wäre das Ich in ganz ähnlicher Weise ein Instrument des Selbst.

Eigentlich ist das Selbst ein angenehmer Chef, schließlich ist es unser göttlicher Funke. Je nach Herausforderung können aber sogar hochspirituelle Menschen spannungsreiche Krisen erleben. Jesus betete am Vorabend seiner Kreuzigung, in seiner schwersten Stunde im Garten Gethsemane: „Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber. Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ (Mt 26:39).

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Was bedeutet spirituell leben in Religion und Esoterik?

Spirituelle Interessen finden ihre natürliche Erfüllung eigentlich in Religion und Esoterik. Leider fehlt es der Esoterik weitgehend an Qualität und der Kirche an der Bereitschaft. Suchende müssen die wenigen Perlen finden.

Unsere zentrale Frage „Was bedeutet spirituell leben“ kann sicher nicht nur ein berühmter Psychotherapeut wie Jung beantworten. Gehen wir also mal weg vom Jung’schen Modell über Ich- und Selbstwerdung. Wenngleich Carl Gustav Jung eine Art spirituelle Psychotherapie praktizierte, so betreten wir mit unserem Anliegen doch eigentlich das Spielfeld ganz anderer Gebiete, nämlich der Religion und Esoterik.

Was bedeutet spirituell leben in der Kirche?

Im Wesentlichen bedeutet spirituell zu sein, eine persönliche Beziehung zu einer höheren Präsenz aufzunehmen, die nicht ohne weiteres direkt erfahrbar ist: Gott. Wie eine Pflanze zum Sonnenlicht wächst der Mensch dann über viele Leben zu dieser göttlichen Quelle hin. Dieser Weg setzt allerdings zunächst mal den Glauben an eine solche göttliche Präsenz voraus. Und die Glaubensfrage macht Spiritualität ihrer Definition nach zu einer Angelegenheit der Religionen. Deren Kirchen sehen sich als Vermittler und Brücke zu Gott.

Predigen als Antwort auf „was bedeutet spirituell“
Was bedeutet spirituell sein im Kirchenalltag?

Andererseits, wer spirituell leben will, der ist keineswegs angewiesen auf Religion und Kirche. Jeder ist frei, seinen eigenen Weg zu suchen. Viele tun das auch, da z.B. die christliche Kirche ihr spirituelles Potential weitgehend ignoriert.

Sündenvorstellung, Sexualmoral und Gottesdienst lassen die Herzen ebenso wenig höher schlagen wie Predigten „von der Kanzel herab“. Hinzu kommt die Unglaubwürdigkeit der Kirche durch eigenes Fehlverhalten. Dazu gäbe es viele Beispiele.

Eine authentische, mit Herzblut gelebte Spiritualität bleibt somit Mangelware. In der Folge finden viele zur Esoterik und hoffen dort auf bessere Mittel und Wege. Sind sie dort wirklich besser aufgehoben und finden einen tieferen Lebenssinn? Lassen sich unter Esoterikern wahrlich spirituelle Menschen finden?

Die Anziehungskraft der Esoterik

Spiritualität bedeutet unter anderem, überall das sinnvolle Wirken einer göttlichen Präsenz wahrzunehmen, auch in einem selbst und sich auf diese Weise geistig-seelisch weiterzuentwickeln. Dieser Grundgedanke führt uns direkt zur Esoterik. Entwicklung durch Selbsterkenntnis ist ein zentrales Merkmal esoterischer Lebensphilosophie, wie auf der Seite was ist Esoterik, ihre wahre Bedeutung ausführlich erläutert. Wer von der Kirche enttäuscht nun sein Glück in der Esoterik sucht, kommt jedoch häufig vom Regen in die Traufe.

Auf den ersten Blick wirkt die Esoterik ungemein spannend und attraktiv. Was es da nicht alles gibt: Horoskope, Seelenpartner und Seelenverwandtschaft, Zukunftsvorhersagen, Kartenlegen, Traumdeutung, Reinkarnation, mediale Channel, schöne Utensilien und Wellness … ein Freudenfest der Sinne und neuen Erfahrungen. Lauter nette spirituelle Menschen. Alle sind tolerant und gutwillig. Keiner schreibt etwas vor. Alles ist gut. Eine heile Welt, in der sich alle lieb haben und jedes Tierchen sein Pläsierchen haben darf.

O.K., ich habe etwas übertrieben. Tatsache ist aber, der Suchende erlebt hier in vielerlei Hinsicht das genaue Kontrastprogramm zur christlichen Kirche. Und nimmt es oft dankbar an, denn diese Form von Spiritualität und Definition geistigen Lebens spricht ihn an.

Spiritualität oder mehr Schein als Sein?

Prinzipiell könnte Esoterik Spiritualität fördern, doch bleibt sie meist in oberflächlichem Kommerz und ungelebter Theorie hängen. Sie lebt nicht den Geist der ursprünglichen Entwicklungslehre ihrer Gründer. Gelebte Selbsterkenntnis und Entwicklung? Kaum. Daher bewirkt sie keine gewachsene spirituelle Entwicklung und Hinwendung nach „oben“. Was es bedeutet spirituell zu leben, verdreht Esoterik zu einem modernen Potpourri aus Sensation, schnellen Effekten, Zukunftsvorhersagen, Selbsttäuschung und Weltflucht. Auf Youtube und Eso-Messen finden sich unzählige Beispiele.

Rolltreppe in den Himmel: esoterische Definition von Spiritualität
Einfache Wege zur Spiritualität…

Theoretisch bietet sich die Esoterik für spirituelle Interessen außerhalb der Religionen durchaus an. Viele eigentlich gute Ideen verpuffen jedoch wirkungslos oder bleiben ein kurzes Strohfeuer.

Sehr häufig wird bewusst oder unbewusst mit den Hoffnungen der Menschen gespielt, viel versprochen und wenig gehalten. Verlockend einfache Wege sollen wie eine Rolltreppe in den spirituellen Himmel führen. Ein paar Düfte, Mantras oder bestimmte Yoga-Techniken sind aber noch keine Spiritualität.

Ein Beispiel: Es ist eine gute Idee, Krankheiten nach ihrem höheren Sinn zu hinterfragen, denn letztlich haben alle Krankheiten spirituelle Bedeutung. Doch was hilft’s, wenn hierbei medizinische Kenntnisse fehlen und fragwürdige Mittelchen verkauft werden … Ganzheitliche Konzepte rund um Körper, Geist und Seele sind oft nur nur Wellness.

Anders als die christliche Kirche gibt die Esoterik enorm viele Antworten auf die Frage „was ist Spiritualität und was ist ein spiritueller Mensch“. Allerdings fehlt es ihr sehr häufig an der nötigen Qualität. Quantität statt Qualität. Viele Suchende lernen auf diese Weise, die zahlreiche Spreu vom wenigen Weizen zu trennen und ihren ganz eigenen Weg zu gehen. Je bewusster dies geschieht, desto besser. Vielleicht konnte die vorliegende Seite dazu einen kleinen Beitrag leisten.

(Autor: Martin Dierks)

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