Was ist Liebe? Von Sexualität zu Spiritualität

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was ist Liebe?
  2. Liebe will Einssein, ein Tropfen im Meer
  3. Alle wollen nur das eine – und das ist kein Sex
  4. Göttliche und spirituelle Liebe
  5. So liebt Gott
  6. Der spirituelle Sonnenstrahl der Liebe
  7. Bedingungslosigkeit und Nächstenliebe
  8. Wenn Funken sprühen: emotionale Gefühlsliebe
  9. Was ist Liebe – wenn die Funken sprühen?
  10. Die Macht der Gefühle und der Sexualität
  11. Karmische Liebe und karmische Beziehung
  12. Was ist karmische Liebe?
  13. Die karmische Beziehung wird gerne verwechselt
  14. Sexualität und Spiritualität, ein heißes Eisen
  15. Die sexuelle Energie höherverwandeln?
  16. Was ist Liebe – Sexualität „höherheben“
Was ist Liebe: Paar schwebt im Himmel

Was ist Liebe?

Liebe ist der Wunsch nach Einssein und Einheit, wie der Tropfen Wasser im Meer. Hinter fast all unserem Tun steckt ein omnipräsenter, fundamentaler Liebeswunsch.

Nicht nur mein eigenes Buch über Spiritualität, Liebe und Sexualität widmet sich dem Wesen der Liebe. Unzählige Bücher, Gedichte, Filme und andere Kunstwerke beschäftigen sich seit Menschengedenken mit dem Liebesphänomen. Kein Wunder, prägt es doch all unsere Beziehungen, z.B. Partnerschaft, Elternschaft, Freundschaften. Nicht minder bedeutsam schlagen die Schattenseiten zu. Die meisten Suizide und Morde geschehen aus Liebesmotiven und eine oft problematische Sexualität lässt erahnen, dass es so etwas wie karmische Liebe tatsächlich gibt.

Sie bestimmt also unser Leben, angenehm und unangenehm. Doch sie tut es noch viel mehr als Sie ahnen, denn es geht nicht nur um unser Privatleben. Und es geht in Wahrheit nicht nur um Gefühle wie Verliebtsein, Schmetterlinge im Bauch, Liebeskummer, Eifersucht und Einsamkeit. Das größte mystische Geheimnis aller Zeiten: Was ist Liebe?

Liebe will Einssein, ein Tropfen im Meer

Die Liebe, was ist das also nun … Gibt es überhaupt eine auf den Punkt gebrachte Definition von Liebe? Gibt es. Liebende treibt immer das tiefe Bedürfnis nach Einssein und Einheit an. Einssein womit? Das ist die entscheidende Frage. Eigentlich und letztlich zieht uns eine quasi religiöse Sehnsucht zurück in die verlorene, paradiesische Einheit mit Gott. Tief unbewusst nagt diese Paradies-Sehnsucht in uns, lässt uns immer irgendetwas machen und tun, um sie zu stillen.

Auf diesem langen Weg nach Hause begnügen wir uns mit kleineren Ersatz-Einheiten: Wir sind z.B. „ein Herz und eine Seele“ mit unserem Partner und werden körperlich eins in der Sexualität. Jeder sucht seinen Platz in größeren Gemeinschaften, mit denen wir uns eins fühlen, z.B. Familie, Firma, Freunde. Jeder will ständig sein individuelles Menschsein in einer größeren Einheit aufgehen lassen. Immer sind wir ein Tropfen Wasser auf der Suche nach seinem Meer. Über Teiche, Bäche, Flüsse und Seen finden wir schließlich unser Meer, irgendwann. Denn: „Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean Verstand“ (Blaise Pascal).

Die Liebe: Engel verlassen den HimmelBaby greift Elternhände, Definition von Liebe

Wir alle haben die himmlische Einheit verlassen. Seitdem treibt uns die Liebe auf vielen Wegen in kleinere „Ersatz-Einheiten“ wie z.B. die Familie.

Alle wollen nur das eine – und das ist kein Sex

Vielleicht nicht offensichtlich, so bestimmt dieser fundamentale Antrieb nach Liebe und Einssein doch unser ganzes Leben. Jeder strebt nach irgendeinem Erfolg oder Zuwendung, sucht irgendein „positives Feedback“: materieller Erfolg, Respekt und Anerkennung, Ruhm, Macht, Lob und Applaus, erfüllenden Sex, Auszeichnungen und Titel, Karriere. Ich bin mir sicher, letztlich sind das alles verkleidete „Liebesbeweise“.

Eine einfache Definition von Liebe gibt es wohl nicht; doch Liebe ist sicher die Antwort auf die brennende Frage in Goethes „Faust“, was „die Welt im Innersten zusammenhält“. Wir streben alle danach, in einem großen Liebesmeer wie ein Tropfen Wasser aufzugehen; mehr oder weniger unbewusst, auf irgendeine Weise. Je nach dem, in welche konkreten Versuche sich das unterschwellige Einheitsbedürfnis kleidet, unterscheiden wir verschiedene Liebesarten: Sexualität, emotionale, spirituelle und karmische Liebe.

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Göttliche und spirituelle Liebe

Die schöpferische, unendliche göttliche Liebe bleibt uns fremd. Spirituelle Liebe hingegen dient uns als ein greifbares Vorbild.

So liebt Gott

Wie sieht Gottes Liebe aus? Gott liebt alles und jeden in gleicher Weise, unter allen Umständen und ohne jede Bedingung. Eine solche bedingungs- und unterschiedslose Gottesliebe können wir kaum nachvollziehen und erst recht nicht leben. Sie ist kein menschlicher Maßstab und bleibt allein Gott vorbehalten. Nur eine reife spirituelle Liebe kommt ihr nahe, während die rein sexuelle und karmische Liebe kaum noch Ähnlichkeiten aufweisen.

Göttliche Liebe ist wie die Sonne, sie scheint immer und für jeden, für den Heiligen und Mörder gleichermaßen. Sie spendet Licht, Wärme und Leben und zwar jederzeit, auch nachts oder bei einer dichten Wolkendecke. Die Frage ist nur, ob wir die Sonne bzw. Gott wahrnehmen! Meist wenden wir uns unbewusst ab, so wie sich die Erde nachts von der Sonne wegdreht. Oder eine Schicht destruktiver Denk- und Gefühlsmustern verdeckt wie eine Wolkenschicht die Sicht.

Diese Gottesliebe ist kein Gefühl oder eine Eigenschaft von Gott, so wie Menschen Gefühle und Eigenschaften haben. Sie ist vielmehr ein dauernder Seinszustand. Gott kann gar nicht anders, „er“ ist einfach so. Aus diesem Sein heraus entstand die Schöpfung, die noch immer ein Teil und Ausdruck seines liebenden Gottwesens ist.

Der spirituelle Sonnenstrahl der Liebe

Wenn wir bei der Sonnen-Metapher bleiben, dann können wir zu Lebzeiten im Idealfall ein individueller Sonnenstrahl werden. Dem entspräche eine reife spirituelle Liebe und Partnerschaft. Der wichtigste „Partner“ ist das Höhere Selbst, also das eigene Höhere Selbst, was die Beziehung zu einem menschlichen Lebenspartner keineswegs ausschließt. Eine solche Beziehung spielt sich dann aber auf andere Weise als üblich ab. Manche suchen z.B. einen Seelenpartner oder die Zwillingsseele.

Spirituelle Liebe schließt weder Sexualität noch emotionale Gefühle aus, sondern integriert sie vielmehr ganzheitlich. Als integrierte Teile stehen sie allerdings unter dem führenden Einfluss des Spirituellen, das Sexualität und Gefühle höherhebt. Ein wirklich spiritueller Mensch kann also ohne weiteres Sexualität genießen und ebenso emotionale Gefühle zeigen. Er lebt aber beides auf eine höhere, konstruktive Weise. Reiner Bumssex und emotionale Abhängigkeit gehören daher nicht ins Repertoire.

Göttliche Liebe: Buddhist betet versunken im SonnenlichtSpirituelle Liebe lässt einen Vogel frei

Spirituelle Liebe besitzt zwei oft vergessene Qualitäten: Mit sich selbst allein sein und andere loslassen können.

Bedingungslosigkeit und Nächstenliebe

Spirituelle Liebe erreicht einen gewissen Grad an Bedingungslosigkeit. Eigentlich erwarten wir immer irgendeine Gegenleistung und stellen Bedingungen. Der andere muss z.B. bestimmte Eigenschaften haben oder ein bestimmtes Aussehen. Außerdem soll er unsere Zuwendung gefälligst erwidern, uns mindestens genauso viel lieben. Man erwartet emotionale Gegenleistungen, wie bei einem „Geschäft“, denn man hat schließlich Gefühle „investiert“. Und Investitionen müssen etwas abwerfen.

Mutterliebe für das Baby könnte der Prototyp bedingungsloser Liebe sein. Wirklich selbstehrliche Mütter müssen aber zugeben, dass sie die Liebe des Kindes als Gegenleistung erwarten. Und anders als beim Partner, mit dem sie Gefühle und Sexualität teilen, können sie sich der Kinderliebe auch ziemlich sicher sein.

Zur Spiritualitätsliebe gehört z.B. die Nächstenliebe. Wahre Nächstenliebe betrachtet jeden als potentiell „Nächsten“, nicht nur Partner, Angehörige und Freunde. Im Gegensatz dazu konzentriert sich die karmische Liebe sehr stark auf eine bestimmte Person. Nächstenliebe beruht auf nicht-egoistischer Selbstliebe, denn wie sagt Jesus im Neuen Testament: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Man kann immer nur geben, was man hat. Das Helfersyndom vieler sozial Berufstätiger weist auf zu wenig Selbstliebe hin.

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Wenn Funken sprühen: emotionale Gefühlsliebe

Nichts rüttelt uns mehr durch als die enorme Macht der Gefühle. Gefühlsliebe birgt Entwicklungschancen durch die Rücknahme von sog. Übertragungen.

Was ist Liebe – wenn die Funken sprühen?

Bei der Frage „was ist Liebe“ denken die meisten an Gefühle und Emotionen. Verliebtheit, Schwärmerei, Sehnsucht und rosarote Brille stehen auf der anderen Seite Liebeskummer, Eifersucht, Rache und Angst gegenüber. Himmelhoch-jauchzend und zu Tode betrübt, eine Achterbahn der Gefühle, die prickelnd und aufregend das Herz schneller schlagen lässt. Die Funken sprühen und wie ein heftiges Strohfeuer verglüht die emotionale Gefühlsliebe meist wieder schnell, weicht dem Alltag mit seiner Routine.

Im Gegensatz zur Spiritualitätsliebe springt die emotionale Liebe nur sehr selektiv bei ganz bestimmten Merkmalen an. Der geliebte Mensch muss ganz bestimmte Eigenschaften und körperliche Merkmale aufweisen. Das kann z.B. der Typ „blond und blauäugig“ sein oder „charmant und zartfühlend“, der männlich-starke Beschützer usw. Solche Typ-Fixierungen beruhen auf etwas, das die Psychologie als Übertragung oder Projektion bezeichnet.

Die Macht der Gefühle und der Sexualität

Liebespaar zeigt Gefühle durch Augenkontakt
Die Macht der Gefühle und Sexualität erfahren …

Übertragene Gefühle können machtvoller als die Sexualität sein. Übertragung bedeutet, dass der emotional Liebende am (potentiellen) Partner Eigenschaften und Merkmale liebt, die er „irgendwie“ eigentlich selbst hätte! Bei sich selbst nimmt er sie aber nicht wahr.

Beim Partner sieht er sie umso deutlicher und findet sie dort liebenswert, zumindest faszinierend. In jedem Falle weckt es starke Emotionen. Häufig trifft hier das Sprichwort zu „Gegensätze ziehen sich an“, denn die beim Partner geliebte Eigenschaft wird oft als Gegensatz zu einem selbst empfunden.

Wenn Sie bei Ihrer Partnersuche nach einem bestimmten Typ suchen, dann suchen Sie also eigentlich einen Teil von sich selbst. Das klingt vielleicht etwas seltsam, aber Projektion und dessen Rücknahme ist eine enorm wichtige Entwicklungschance der Partnersuche und Partnerschaft. Niemand kommt an Erfahrungen mit der emotionalen Liebe vorbei und meist sind sie intensiver als sexuelle Erfahrungen.

Nichts berührt und beeinflusst uns im Guten wie im Schlechten mehr als unsere Gefühle. Sie verleihen uns Flügel oder machen uns zu Straftätern. Viele glauben, mit ihrem rationalen Verstand alles gut unter Kontrolle zu haben. In Wahrheit hängt unser rationaler Verstand sehr viel mehr am Gängelband der Gefühle, als wir uns eingestehen möchten. Unbewusste, destruktive Gefühle machen uns zu ihren Marionetten, sie sind Hauptakteur für eine karmische Liebe und fließen in die Sexualität ein.

Viele mögen der Sexualität mehr Einfluss zuschreiben als den Gefühlen, aber die Sexualität bzw. der Körper führt kein isoliertes Eigenleben. Der Körper ist immer ganz wesentlich von (oft verdrängten) Gefühlen beeinflusst.

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Karmische Liebe und karmische Beziehung

Eine karmische Liebe fordert die Beteiligten mit Nachdruck auf, intensive Erfahrungen aus früheren Leben aufzuarbeiten. Dazu braucht es Mut, Selbstehrlichkeit und Zeit.

Was ist karmische Liebe?

Eine karmische Liebe verbindet zwei Menschen, die in früheren Leben besonders intensive Beziehungen hatten. Deren Bewältigung birgt großes Entwicklungspotential. Meist ging es um eine Mann-Frau-Beziehung, also um eine Partnerschaft, Ehe oder Affäre. Andere Beziehungen, z.B. zwischen Eltern und Kinder, können jedoch ebenfalls eine karmische Beziehung begründen.

Haben Sie eine ungefähre Vorstellung davon, wie Karma entsteht? Zwei Menschen hatten sehr intensive und/oder lange Zeit andauernde gemeinsame Erlebnisse. Diese Erfahrungen und Erlebnisse hinterlassen prägende, tiefe Spuren. Die beiden verbindet also ein schwer kontrollierbares, starkes Muster, z.B. ein bestimmtes Täter-Opfer-Schema. Energetisch gesehen bilden sich feinstoffliche „Nabelschnüre“, die nach dem Tod erhalten bleiben.

Feuerfessel symbolisiert karmische Liebe
Karmische Liebe: eine feurige Energie- und Gefühlsfessel

„Karmische Beziehung“ muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass man sich schlimme Dinge angetan hat, z.B. emotionaler oder sexueller Missbrauch. Entscheidend ist das Vorliegen einer intensiven, irgendwie destruktiven Bindung aneinander.

Solche unguten Klebstoff-Beziehungen beschränken sich keineswegs auf Partnerschaft und haben viele Gesichter: besitzergreifende Eltern, Sexsucht und andere gemeinsame Süchte, gewaltsame Konflikte, nicht voneinander loskommen, emotionale Abhängigkeit, starke Eifersucht, Hass-Liebe.

Karmisch verstrickte Menschen suchen unbewusst oft Dramen und Tragödien. Wie die genannten Beispiele zeigen, resultiert eine karmische Liebe vor allem aus einer schwierigen Gefühlsliebe und körperlichen Liebe, sprich Sexualität. Ihre Aufarbeitung braucht Mut, Selbstehrlichkeit, Zeit und unfreiwilligen Leidensdruck sowie etwas Energie-Arbeit.

Die karmische Beziehung wird gerne verwechselt

Jeder Mensch trifft in seinem Leben auf Karma-Partner aus früheren Leben. Eine karmische Beziehung ist nichts Ungewöhnliches. Fühlt sich diese besonders intensiv und zunächst eher angenehm an, dann verwechseln sie viele mit ihrer Zwillingsseele oder einer Seelenliebe. Spirituell Suchende neigen bisweilen dazu, einer Karma-Herausforderung ein spirituelles Mäntelchen umzuhängen. Auf diese Weise beschönigen manche eine karmische Beziehung als „schwierige“ spirituelle Zwillingsseelen-Beziehung.

Häufig kommen außerdem bislang noch nie erlebte energetische und außersinnliche Phänomene dazu, die etwas Magisch-Faszinierendes haben. Die Betreffenden tun sich schwer, diese Dinge einzuordnen und suchen Hilfe in der Esoterik. Was eigentlich eine karmische Liebe ist, verklärt der eher realitätsflüchtige und schnelle Hilfe versprechende Esoterik-Markt dann als spirituelle Zwillingsseele oder Seelenverwandtschaft.

Erlebnisse von z.B. Telepathie oder Fernspüren des Anderen beweisen allein noch keine spirituelle Seelenliebe. Besondere Phänomene und Fähigkeiten sind immer mit Vorsicht zu deuten. Wenn z.B. Heilige in der Geschichte oft Wunder vollbrachten, heißt das noch lange nicht, dass umgekehrt jeder mit besonderen Fähigkeiten spirituell lieben kann oder erleuchtet ist. Von Hochstaplern und Selbsttäuschungen mal ganz abgesehen.

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Sexualität und Spiritualität, ein heißes Eisen

Die Höherverwandlung der sexuellen Energie stellt eine gute Alternative dar. Vieles spricht aber eher für eine gelebte, „durch Liebe erhobene“ Sexualität; ob als Single oder in der Beziehung mit einer Seelenliebe.

Viele fragen sich, inwieweit eine hohe Seelenliebe und Sexualität miteinander vereinbar sind. Sexualität und Spiritualität … lassen sich die beiden weit entfernten Enden einer Schnur zusammenbringen? Falls ja, wie könnte eine solche spirituelle Sexualität in einer Partnerschaft mit der Seelenliebe aussehen? Oder ist es besser, die sexuelle Energie durch Enthaltsamkeit und Übungen in die höheren Energiezentren (Chakren) zu lenken? Bedeutet Spiritualität, sich körperliche Freuden zu verkneifen und vielleicht Ersatzbefriedigungen zu suchen?

Die sexuelle Energie höherverwandeln?

Spirituelle Menschen leben ihre Sexualität nicht immer aus. Grundsätzlich kann z.B. jeder durch disziplinierte Enthaltsamkeit und Kundalini-Yoga-Übungen seine sexuelle Energie in höhere Kanäle lenken. Eine höherverwandelte Energie beschert viele neue Geschenke: Von einfacher Lebensfreude und körperlichem Elan über geistig-schöpferische Fähigkeiten bis hin zu übersinnlichen Wahrnehmungen. Viele Mythen und nächtliche Sexträume thematisieren solche Verwandlungen. Oft geht es dabei um sich verwandelnde Tiere, z.B. Schlange/Adler, Raupe/Schmetterling usw.

Kampf zwischen Spiritualität und Sexualität, Bild von Gustave Dore
Spiritualität, Sexualität und die Schattenseiten

Disziplinierte Übungen und die feste Absicht allein bewirken jedoch noch keine Energie-Transformation. Zwei Dinge sind zusätzlich nötig.

Erstens, die Höherverwandlung darf mit keiner Verdrängung sexueller Wünsche einhergehen. Gefragt ist eine kontrollierte „Zügelung“ bewusst wahrgenommener Wünsche, nicht deren Verdrängung. Was Verdrängung anrichten kann, zeigt die katholische Kirche und ihr sexueller Missbrauch von Kindern durch Geistliche. Verdrängte sexuelle Energie kann außerdem zu Krankheiten führen.

Zweitens, die Verwandlung ist ein längerer Prozess, der parallel mit der gesamten geistig-seelischen Entwicklung verlaufen muss. Kaum jemand aus der Kundalini/Tantra-Szene weiß es oder man ignoriert es lieber: Eine ausschließlich energetische Transformation der sexuellen Energie, ohne begleitende innere Prozesse, funktioniert nicht. Übungseifer kann keine innere „Höherverwandlung“ bzw. Entwicklung ersetzen. Wer z.B. sexuell missbraucht wurde, der wird die nötige geistig-seelische Aufarbeitung nicht mit Kundalini Yoga umgehen können.

Was ist Liebe – Sexualität „höherheben“

Man kann also seiner Sexualität und sexuellen Erfahrungen nicht durch Energieübungen entfliehen. Energieübungen sind deshalb nicht sinnlos, aber innere Entwicklungen sollten folgen und diese brauchen Zeit.

Feurige aufsteigende Herzen symbolisieren die Liebe
Was ist Liebe: wenn erhobene Herzen den Sex „mitnehmen“

Vielleicht ahnen Sie, welcher Aspekt der inneren Entwicklung die sexuell-energetische Verwandlung am effektivsten „mitnimmt“? Die Entwicklung der Liebesfähigkeit, wozu vor allem eine karmische Beziehung sehr viel Potential besitzt! Der Kreis zu unserer Ausgangsfrage „Was ist Liebe“ schließt sich.

Ob in einer Beziehung oder als Single, Spiritualität schließt Sexualität keineswegs aus. Sex muss das Spirituelle keineswegs „runterziehen“, nämlich dann, wenn es genau umgekehrt läuft: Ein spiritueller Mensch integriert und lebt seine körperliche Sexualität, aber zieht diese hoch, erhebt sie.

Wie sieht spiritueller Sex im Idealfall aus? Es ist liebevoller Sex, der sich nicht nur körperlich hingibt. Die Liebe führt den Körper und dessen Bedürfnisse, nicht umgekehrt. Geht es hingegen nur um sexuelle Befriedigung, dann dominiert der körperliche Trieb alles andere. Isolieren Sie also besser nicht Ihre sexuell-energetischen Bemühungen vom Rest der Persönlichkeit und setzen Sie im Zweifelsfall die Entwicklung der Liebesfähigkeit an erster Stelle.

(Autor: Martin Dierks)

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