Die Nachfolge Christi, Hiob und Gottvertrauen

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was heißt „Jesus nachfolgen“?
  2. Die Jünger und ihre Nachfolge Jesu
  3. Jesus nachfolgen, heute und damals
  4. Was bedeutet „sein Kreuz auf sich nehmen“?
  5. Sein Kreuz tragen heißt Familie hassen?
  6. Die Nachfolge Jesu setzt klare Prioritäten
  7. Die Liebe zur Familie und zum Messias
  8. Selbstverleugnung belügt sich selbst
  9. Die Nachfolge Christi braucht vorher Ich-Werdung
  10. Der verlorene Sohn, Zarathustra und Franziskus
  11. Gott vertrauen lernen wie Hiob
  12. Hiob, ein Bibelstar durch Gottvertrauen
  13. Welches Leid kommt von Gott?
  14. Gottvertrauen lernen auf dem Weg
  15. Folge mir nach! Nein danke!?
Jesus sucht Nachfolger am See Genezareth

Was heißt „Jesus nachfolgen“?

Alle Christen sind zur Nachfolge Jesu berufen, um ihre persönliche „Auferstehung“ zu erfahren. Dazu muss jeder „sein Kreuz auf sich nehmen“.

Wir wissen, warum Jesus den Tod am Kreuz nicht nur hinnahm, sondern ganz bewusst entgegenging. Der Messias starb freiwillig, vollmächtig und aus Liebe, um damit allen Menschen zu allen Zeiten einen Weg vorzuleben, dem sie nachfolgen können. Wenn wir Jesus nachfolgen, dann sind wir unterwegs zu Gott und werden im Leben „auferstehen“. Genau darin liegen Sinn und Bedeutung des damaligen Dramas, dem wir heute das Christentum verdanken.

Was heißt Jesus nachfolgen? Was genau können und müssen Menschen heute tun, um die Nachfolge Christi anzutreten? Ins Kloster gehen und viel beten, möglichst fromm und heilig werden? Vorhang auf für den letzten Akt des ewigen Dramas, das alle Menschen angeht, nicht nur Christen.

Die Jünger und ihre Nachfolge Jesu

Wikipedia widmet der Nachfolge Jesu eine eigene Seite. Allerdings versteht der Artikel darunter nur die Berufung der Jünger. Nach der Taufe beginnt der Gottessohn öffentlich zu wirken und dazu sammelt er erst mal seine Jünger ein. „Komm und folge mir nach“ und sie folgen ihm. Die Berufung der Jünger finden wir in der Bibel bei Mk 1,16ff., Mt 4,18ff., Lk 5,1ff., Joh 1,35ff.

Die genannten Bibelstellen deuten zwar bereits an, dass ihr Meister sie aus einem intakten Leben herausreißt. Es fällt ihnen jedoch nicht schwer. Erst viel später erklärt ihnen ihr Rabbi, dass wahre Nachfolger ihr Kreuz tragen und annehmen müssen. Wikipedia reduziert die Nachfolge Jesu auf die Berufung der Jünger. Der viel wichtigere Aspekt bleibt weitgehend außen vor: Jesus nachfolgen heißt, sein Kreuz bzw. Probleme anzunehmen, zu überwinden und gerade dadurch ein neues Leben finden.

Die Apostel hören das „komm und folge mir nach“ und tun es sogleich. Sie nehmen die Herausforderung an. So weit so gut, doch gerade die bereits berufenen Jünger lehren uns durch ihr späteres Versagen bei Jesu Kreuzigung, dass ein wahrer Nachfolger Christi zusätzlich sein Kreuz annehmen und überwinden muss. Die Apostel waren noch nicht so weit. Ihnen gilt der Spruch „viele sind berufen, nur wenige auserwählt“ (Mt 22,14).

Jesus beruft Jünger am See Genezareth zu MenschenfischernJesus hält die Bergpredigt: Umkehr und Nachfolge

Die Nachfolge Jesu beginnt mit der Berufung der Jünger, die Menschenfischer werden sollen. Kurz darauf hält Jesus die Bergpredigt und ermuntert seine Begleiter erneut, ihm nachzufolgen, da sie das „Salz der Erde“ seien. Erst viel später macht ihnen der Messias klar: Ohne Kreuz tragen keine Nachfolge.

Jesus nachfolgen, heute und damals

Die Jünger wollen Jesus nachfolgen und wissen später von dem schwierigen Teil der Aufgabe. Trotz des Wollens und Wissens scheitern sie zunächst. Die Ursachen und Lösungen sind für Christen heute noch die gleichen.
Jesus ist mit den Aposteln auf dem Weg nach Jerusalem, wo er sterben wird. Er weiß das und kündigt es mehrfach an, seine Begleiter wollen es aber nicht wahrhaben. In Jerusalem angekommen hält er dann für seine Jünger und das Volk eine öffentliche Rede.

„Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mk 8,34; Mt 16,24, Lk 9,23). Jeder soll, so Christus weiter, sein Leben retten, indem er es ihm opfert. Jeder soll außerdem ohne Scham einstehen gegenüber Anfeindungen für die von ihm vorgelebte Lehre. Dann könne er später im Himmel für sie einstehen. Hm. Klare Kante. Das sitzt. Der Menschensohn erklärt nicht weiter, wie er das meint. Zwei Dinge sind aber völlig klar:

  • Jesus ruft anlässlich der bockigen Jünger gleich das ganze Volk herbei und predigt allen. Mit den zur Nachfolge aufgerufenen „Jüngern“ meint er also alle Menschen; damals, heute und in Zukunft.
  • Sein Aufruf an alle Menschen, ihm nachfolgend das eigene Kreuz zu tragen und zu sterben, meint der Gottessohn natürlich nicht wörtlich. Er steht kurz vor seinem Kreuzestod, seine Nachfolger sollen aber das wahre Leben finden durch den „Tod“ eines zu weltlichen, ichbezogenen Lebens.

Was bedeutet „sein Kreuz auf sich nehmen“?

Menschen, die ihr Kreuz auf sich nehmen und Jesus nachfolgen
Jesus nachfolgen heißt „sein Kreuz auf sich nehmen“

Jeder soll also im übertragenen Sinn sein Kreuz auf sich nehmen und sterben. Die Bedeutung dieser Worte ist kein Geheimnis. Jeder kennt die Redewendung „wir müssen alle unser Kreuz tragen“ bzw. „jeder hat sein Kreuz zu tragen“ und ähnliche Sprüche. Sie drücken aus, dass jeder so seine Probleme hat, weil es zum Leben gehört.

Auf den Umgang damit kommt es an, denn wer sich ehrlich und mutig dabei von der christlichen Lehre führen lässt, wird dadurch ein Nachfolger Christi.

In welchen verstaubten Ecken des menschlichen Lebens sieht Jesus ungetragene Kreuze liegen? An einigen Bibelstellen erläutert er genauer, wie jeder sein Kreuz tragen und ihm nachfolgen kann (vgl. Lk 12,8f. und 14,25ff.; Mt 10,32ff. und 19,29ff.; Mk 10,29ff.):

  • Sich selbst, sein Haus, Acker, Besitz, Familie zu Gunsten von Jesus weniger wichtig nehmen, aufgeben oder sogar hassen.
  • Sich furchtlos bekennen zu Christus und seinen Lehren. Trotz aller Widerstände und Anfeindungen, die ein wahrer Jünger im Vertrauen auf Gott erträgt.

Leider richten Missverständnisse und absichtliche Fehldeutungen viel Schaden an, damals wie heute. Damit kommen wir zum wichtigsten und spannendsten Teil für nachfolgewillige Christen.

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Sein Kreuz tragen heißt Familie hassen?

Sein Kreuz tragen bedeutet für manche Nachfolger, Familienbeziehungen aufzugeben, aber sicher nicht zu hassen.

In Lk 14,26 verlangt Jesus von einem wahren Jünger bzw. Nachfolger, dass er seine Familie hassen müsse! Hassen? Kein Übersetzungsfehler, denn das betreffende Wort lässt im griechischen Urtext diese Bedeutung durchaus zu. In jeder Kirche und auf zahllosen Bildern sehen wir die liebevolle Maria mit dem Jesuskind und Josef war gewiss kein schlechter Vater. Der Messias liebte Kinder und wuchs selbst mit Geschwistern auf, z.B. Jakobus, einer der Mitbegründer des Christentums.

Sein Kreuz auf sich nehmen und tragen, so dass wir Jesus nachfolgen, mag familäre Opfer fordern, aber hassen? Viele werden staunen, aber Gottes Sohn war in gewisser Hinsicht tatsächlich kein Familienfreund.

Die Nachfolge Jesu setzt klare Prioritäten

Mutter Maria und das Jesuskind
Maria, heilige Mutter Jesu, nicht seine „wahre“ Familie?

Evangelist Mk, Mt und Lk erzählen alle drei von folgender Geschichte: Jesus predigt und heilt in einem Haus voller Menschen. Seine Mutter Maria und Brüder wollen ihn aber gewaltsam nach Nazareth zurückholen (Mk 3,21). Er lässt sie vor der Tür stehen, denn seine wahre Familie seien alle, die Gottes Willen erfüllen (Mk 3,31ff.).

Genau diese Geschichte hat der heilige Franziskus im Sinn, als er sich von seiner Familie lossagt. Er wirft dem Vater öffentlich seine Kleider vor die Füße mit den Worten „Mein Vater ist im Himmel“. Sein Kreuz auf sich nehmen und Jesus nachfolgen … erfüllte sein Leben. Zum Zeichen der erfüllten Nachfolge Jesu schenkt ihm ein gekreuzigter Seraph mit Christusgesicht die Wundmale, als erster Mensch der Geschichte.

An anderer Stelle betont Christus, er sei gekommen, um Vater und Sohn, Mutter und Tochter mit dem Schwert zu entzweien (Mt 10,35). Er meint keine Waffengewalt, klar, doch er spricht gerade über das Nachfolgen! Ohne familiäre Entzweiung (Trennung) also keine Nachfolge Jesu.

Als ihm ein Mann nachfolgen und nur noch seinen Vater bestatten will, sagt Jesus „Folge mir nach und lass die Toten (!) ihre Toten begraben“ (Lk 9,60; Mt 8,22). Erneut scheint er gerade dann wenig Sinn für die Familie zu haben, wenn es um ein neues Leben an seiner Seite geht.

Trotz alledem soll niemand seine Familie hassen. Selbst Franziskus, der radikalste Nachfolger Christi bis heute, hat seine Familie nicht gehasst. Er hat sie aber aufgegeben zu Gunsten seines himmlischen Vaters. Er hat Gottes Sohn vorgezogen und über seine Familie gestellt. Genau darum geht es: Sein Kreuz tragen und Jesus nachfolgen erfordert eine klare Priorität.

Die Liebe zur Familie und zum Messias

Zwei Seelenpartner, eine Seelenliebe
Jesus mehr lieben als den Seelenpartner?

Niemand überrascht, dass Jesus Egoisten und Materialisten schlechte Karten bescheinigt. Doch das Kreuz eines wahren Nachfolgers macht auch vor Familie und Partner nicht Halt. Da braucht es schon besonders klare Worte, um Missverständnisse zu vermeiden.

Besser als der vom Hass sprechende Lukas bringt Evangelist Matthäus die nötige Priorität zum Ausdruck. Bei ihm sagt Jesus, man müsse ihn mehr lieben als die Familie. Wie viel? „Mehr lieben“ klingt etwas lauwarm.

Das „Hassen“ bei Lk wiederum ist nicht nur überzogen, es bescheinigt der Bibelkirche einen traurigen Verständnismangel am Wichtigsten ihrer eigenen Lehre: Liebe. Hass stünde in unauflöslichem Widerspruch zu Jesu zentralem Doppelgebot der Liebe. Und gerade seine freiwillige Kreuzigung war eine große Liebestat. Hass soll helfen, Christus nachzufolgen auf seinem Weg der Liebe? Wer sich z.B. aus Hass vom Partner trennt, ist keineswegs frei für ein neues Leben. Hass befreit nicht, sondern bindet karmisch.

„Star Wars“-Produzent und Regisseur George Lucas hat das offenbar besser verstanden als die Kirche. Im finalen Kampf zwischen Luke und seinem Vater Darth Vader vor den Augen des Imperators besiegt die Liebe den Hass. Luke besiegt seinen Vater im Kampf. Der Imperator lobt Lukes Stärke, die er durch den Hass gewonnen habe. Luke weigert sich, den besiegten Vater zu töten, der ihn daraufhin vor dem Imperator rettet.

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Selbstverleugnung belügt sich selbst

Nur wer sein Menschsein ehrlich gelebt hat, kann Jesus erfolgreich nachfolgen. Die falsch übersetzte „Selbstverleugnung“ verdreht diese offensichtliche Wahrheit ins Gegenteil.

Sein Kreuz auf sich zu nehmen, ist das Eine. Der charismatische Heiler aus Nazareth spricht jedoch noch etwas anderes an: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mk 8,34; Mt 16,24, Lk 9,23).

Die ungeschickte Übersetzung als Selbstverleugnung offenbart fehlendes Verständnis für moderne, menschenfreundliche Psychologie. Der Leser assoziiert mangelnde Selbstliebe, ungesunde Unterdrückung menschlicher Bedürfnisse oder gar asketische Selbstgeißelung und Masochismus. Jesus meinte nichts dergleichen.

Die Nachfolge Christi braucht vorher Ich-Werdung

Antonius, Nachfolger Christi und seine sexuelle Versuchung
Der heilige Antonius, Sinnbild verleugneter Sexualität der Kirche

Schlechte Übersetzungen ließen sich ändern. Die christliche Kirche fördert Fehldeutungen und Missverständnisse jedoch ganz bewusst, z.B. durch ihre Sündenmoral zur Sexualität. Seit fast tausend Jahren führt die zölibatär verleugnete Sexualität zu heimlicher Homosexualität, sexueller Missbrauch von Kindern, uneheliche Priesterkinder, Hexenverfolgungen und Ähnlichem.

Die Nachfolge Christi, die Imitatio Christi, richtet sich an jeden Menschen. Der Messias hatte weder Heilige im Sinn noch die Kirche, zumal die christliche Religion und Kirche erst viel später entstand. Allerdings wäre es natürlich die Aufgabe der Kirche, ihren Gläubigen bei der Nachfolge Christi zu helfen. Durch angeblich biblische „Selbstverleugnung“ und ihr falsch gelebtes Vorbild bewirkt sie das genaue Gegenteil.

Nur wer sich selbst kennt und lebt, baut damit ein Fundament, auf dem er später „sich selbst“ (nicht leugnen, sondern) bewusst opfern kann. Erst nach einer gelebten Ich-Werdung kann echte Spiritualität wachsen. Was bedeutet Spiritualität und spirituell leben? Weise Mystiker wussten schon immer, dass Spirituelles nur in eine gefestigte Persönlichkeit und deren „Ich-Haus“ einziehen kann. Erst dann kann Christus dort als innerer König das Szepter übernehmen. Manches dort leistet Widerstand und leidet. Solches Leiden muss dann ertragen und verwandelt werden. Genau das bedeutet „sein Kreuz auf sich nehmen und tragen“.

Nachfolge Christi bedeutet, seine durch gelebte Selbsterkenntnis erfahrene Persönlichkeit in den Dienst Christi zu stellen. Kein Wunder, dass junge Priester, die ihre körperlichen Bedürfnisse nie erfahren haben, am Zölibat scheitern. Liebe und Sexualität kann sich immer nur auf einer ehrlich gelebten Basis höherentwickeln; auf jeder Stufe der himmlischen Jakobsleiter. Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch mein Buch Auf Luzifers Flügel zur himmlischen Liebe.

Der verlorene Sohn, Zarathustra und Franziskus

Hoher Baum und tiefe Wurzeln, aus „Also sprach Zarathustra“
Die Nachfolge Christi in lichte Höhen braucht tiefe Wurzeln

Menschenfreund Jesus Christus war sich all dessen sehr wohl bewusst. Jeder solle vorher prüfen, ob sein vorhandenes Fundament (gesunde Ich-Werdung) und seine Mittel (Motivation) für den Bau eines hohen Turmes (Nachfolge Christi) ausreichen (Mt 14,28ff.).

Philosoph Friedrich Nietzsche lässt den Religionsgründer Zarathustra in „Also sprach Zarathustra“ die gleiche Weisheit erkennen. Der Mensch sei wie ein Baum, dessen Streben in die Höhe entsprechend tiefe Wurzeln brauche. Wir finden diese Wahrheit in nahezu allen Philosophien und Mythen.

Kennen Sie das Gleichnis vom verlorenen Sohn im Lukasevangelium? Erst nachdem der Sohn von den Freuden und Leiden des weltlichen Lebens genug hat, will er reumütig zurück. Der Vater freut sich ganz besonders, denn sein Sohn war „tot und lebt wieder“. An anderer Stelle weist Jesus darauf hin, dass ein erfolgreicher Jünger vorher (!) sein Leben in dieser Welt gering achten müsse (Joh 12,25). Und dazu braucht es die Erfahrung und Erkenntnis des verlorenen Sohnes in dieser Welt. Logisch, oder?

Der heilige Franziskus ist als Nachfolger Christi in die Geschichte eingegangen. Den Fußspuren Christi folgen, das war sein Lebensmotto. Man könnte meinen, der Parade-Heilige sei bereits als Heiliger geboren worden und hätte Kirchenkarriere gemacht. Weit gefehlt. Wie der verlorene Sohn genoss er dank betuchter Eltern das weltliche Leben in vollen Zügen und in jeder Hinsicht. Nur auf diesem Boden konnte eine Umkehr und glaubwürdig gelebte Hinwendung zum Gottessohn Früchte tragen.

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Gott vertrauen lernen wie Hiob

Der wichtigste Begleiter bei der Nachfolge Christi ist ein ständig wachsendes Gottvertrauen im Umgang mit Leid. Bibelstar Hiob zeigt wie und warum.

Wer ihm nachfolgt, dem verspricht Jesus das ewige Leben, ein stets begleitendes Licht und befreiende Wahrheit. Jeder nachfolgende Jünger wird „auferstehend“ ein neues Leben finden. Große Worte. Selbst wenn sie vom Messias kommen und in genau dieser für alle Menschen möglichen Nachfolge sein ganzes Lebenswerk gipfelt: Viele plagen Zweifel.

Wer an der Nachfolge Jesu scheitert, scheitert meist am fehlenden Vertrauen. Egal, wie reif und gutwillig jemand ist, jeder muss mehr Gottvertrauen entwickeln. Die dazu hilfreiche Geschichte von Hiob (Ijob, Job) ist eine der ältesten und wertvollsten in der Bibel (Weisheitsschriften des AT). Ihre zeitlose Botschaft handelt von Gottvertrauen, das „leidende Gerechte“ und Nachfolger Christi lernen sollen.

Hiob, ein Bibelstar durch Gottvertrauen

Hiob zeigt die Bedeutung von Leid
Hiob, ein Star in der Bibel, erfährt die Bedeutung von Leid

Vertrauen macht einen Helden aus? Wer war Hiob? Was können wir noch heute von ihm lernen? Vermutlich hat das religiöse Vorbild als historische Person tatsächlich gelebt, doch hat der unbekannte Autor die Geschichte entsprechend ausgeschmückt.

Hiob lebt sehr gottgefällig bzw. „gerecht“ im Land Uz. Gott belohnt seinen Musterschüler zunächst mit einem in jeder Hinsicht guten Leben. Dann schickt er Ijob ein Unglück nach dem anderen. Eine schlechte Nachricht jagt die nächste (deshalb „Hiobsbotschaft“). Die gesamte Familie stirbt und er verliert sein gesamtes Hab und Gut.

Lange Diskussionen mit seinen klugen Freunden helfen nicht und schließlich wankt Hiobs Gottvertrauen. Der Gottesknecht führt eine anklagende Wutrede mit seinem Schöpfer, der ihm die Augen öffnet. Geläutert und näher bei Gott als je zuvor bekommt er alles wieder zurück. Er erhält sogar den göttlichen Ritterschlag zum Richter über seine „gerechten“ (!) Freunde.

Philosoph Gottfried Wilhelm Leibnitz prägte dazu den Begriff der Theodizee: Warum lässt der allmächtige, gütige Gott ungerechtes Leid zu, z.B. den Tod unschuldiger Menschen durch Naturkatastrophen oder Krankheiten bei Neugeborenen? Die Antwort ist die gleiche wie bei Hiobs Geschichte und dem Umgang mit Leid als Nachfolger Christi.

Hiob erfährt ein Happy-End und wird zum religiösen Vorbild, weil

  • er ein neues, intensiveres und persönliches Verhältnis zu Gott findet; es beruht auf eigenen Erfahrungen, jenseits der „Religion für alle” und weltlichen Hilfen durch Freunde, Familie und rationalem Wissen;
  • er mit seiner geduldigen Beharrlichkeit und Leidensfähigkeit Tugenden beweist, ohne die niemand sein Kreuz tragen und sich insbesondere furchtlos zur Lehre Jesu bekennen kann (Jak 5,11; Mt 10,22; Mk 13,13); Hiob macht Gott zwar schwere Vorwürfe wegen seines in der Tat ungerechten Leides, aber er gibt nicht auf;
  • er demütig lernt, Vertrauen in Gott und das ihm gestaltete Leben zu entwickeln. Wer Jesus nachfolgen will und am Vertrauen zu scheitern droht, kann hier viel von Hiobs Geschichte lernen.

Welches Leid kommt von Gott?

Depressiver Mann ohne Gottvertrauen sieht das Licht nicht
Leiden, ohne Gott und seinem Licht zu vertrauen…

Gottesknecht Hiob, der leidende Gerechte, leidet aus seiner beschränkt menschlichen Sicht tatsächlich ungerecht. Gott will damit aber seine Spiritualität vertiefen und erheben. Hiob leidet, weil das Gute der Feind des Besseren ist und er diese gottgewollte Entwicklung nicht erkennt.

Genau wie Nachfolger Christi zu allen Zeiten, denn das Kreuz schmerzt und woran erkennen wir denn, ob es ein von Gott geschicktes, unserer Entwicklung dienendes Leid ist?

Einem Nachfolger Jesu ist die Beziehung zu ihm wichtiger als alles andere. Wie Hiob in der Bibel wird er dann erkennen, ob sein Leiden tatsächlich von Gott gewollt ist und warum es zu Gott führt. Nicht Familie und Freunde, sondern Jesus wird es ihn erkennen lassen.

Darüber hinaus hilft Glaube und Vertrauen, Gottvertrauen. Kein blindes Vertrauen, doch Vertrauen kann sich nur in der Unwissenheit und Unsicherheit entwickeln. Und Gott weiß am besten, was uns zu ihm führt. Genau davon lebt religiöser Glaube.

Gottvertrauen lernen auf dem Weg

Niemand trifft die Entscheidung, Jesus zu folgen, ohne bereits etwas Gottvertrauen zu haben. Allerdings ist das Vertrauen auf göttliche Führung nicht nur eine Voraussetzung, sondern vor allem ein zu erlangendes Ziel der Nachfolge Christi. Der religiöse Lern- und Entwicklungsprozess ähnelt der Bildung von Urvertrauen, den die Psychologie in der Kindheit beobachtet.

Ein Kind mit Urvertrauen
Gottvertrauen entwickeln, wie ein Kind sein Urvertrauen

Gottvertrauen wächst in jeder Phase der Lebensreise wahrer Nachfolger; wie gepflückte Blumen am Wegesrand. Dazu braucht es Leiden, ohne geht es nicht. Viele Mystiker und Heilige haben die gleiche Erfahrung gemacht wie Hiob im Alten Testament.

„Wunden sind Orte, wo das Licht eintritt“, sagt Dichter Rumi. Der heilige Niklaus von Flüe betet „Gott, nimm weg von mir, was mich hindert zu dir, gib mir, was mich führet zu dir“. Das sinnbildliche Kreuz tragen, sterben und auferwecken lassen braucht viel gewachsenes Vertrauen. Nur mit diesem Gottvertrauen öffnen wir uns der stets präsenten Hand Gottes und ergreifen sie.

Und die Jünger? Sie erhofften und sahen in ihrem Meister einen hochspirituellen Führer, der mit den Römern und Priestern aufräumt. Erst nach der Auferstehung Jesu Christi begannen sie, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und entwickelten Gottvertrauen wie Hiob in der Bibel. Erst dann haben sie verinnerlicht, was es bedeutet, Jesus nachzufolgen.

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Folge mir nach! Nein danke!?

Nur wenige stellen sich heute die Frage „Wie kann ich Jesus nachfolgen?“ Letztlich kommt aber niemand daran vorbei, den christlichen Weg zu gehen.

Jesus fordert auf, ihm nachzufolgen
Komm!? Wie kann man heute Christus nachfolgen?

Wenige hören Jesu Aufruf „Komm und folge mir nach“. Die meisten folgen entweder dem Gott der Wissenschaft, den meist leeren Versprechungen moderner Pseudo-Esoterik oder der unglaubwürdigen Kirche.

Einige lernen aus ihren Erfahrungen und erkennen, welch unwürdigen Vorbildern sie gefolgt sind. Erst dann entdecken sie christliche Werte jenseits der Kirche und fragen nach dem WIE: Wie kann ich Jesus folgen, ich persönlich, heute?

Sie müssen kein Geistlicher sein oder besonders religiös, noch nicht mal Christ, denn sein Weg ist keiner bestimmten Religion gewidmet. Jeder darf und muss ihn irgendwann gehen. Warum? Der christliche Weg beschreibt die archetypische Lebensreise zurück zu Gott, durch Liebe und Weisheit. Die spirituelle Psychotherapie nach Jung sieht darin den gemeinsamen Sinn aller Religionen. Wer Jesus nachfolgt, wird sein Leben ändern, so viel ist gewiss. Er wird sich in allen Phasen des Weges mutig und ehrlich an der Lehre Christi orientieren, gerade beim Umgang mit dem persönlichen Kreuz.

Die meisten laufen ihr ganzes Leben vor einer Nachfolge Jesu weg und suchen leicht zu erlangendes weltliches Glück. Bei vielen klopft Christus irgendwann an die Tür und bleibt ungehört. Selbst wenn wie bei Hiob Schicksalsschläge aufrütteln, ändern nur manche ihr Leben.
Andere leiden unnötig und nageln sich durch unbewusste Ängste und Schuldgefühle noch mehr ans Kreuz. Und wieder andere hauen ihr eigenes, ungetragenes Kreuz den anderen um die Ohren; wie christliche Kreuzzüge und Konflikte aller Art oft zeigen.

Eine Braut als nachfolgende Braut Christi
Die Nachfolge Jesu als „Braut Christi“ oder auf anderen Wegen

Natürlich können Sie theologische Bücher lesen über die Nachfolge Jesu z.B. Thomas von Kempen oder Dietrich Bonhoeffer. Kein Buch kennt jedoch Ihre persönliche Lebenssituation und bewegt nur selten zu Lebensveränderungen.

Jeder Suchende steht woanders. Jeder Erwachende muss durch gelebte Selbsterkenntnis und Entwicklung seinen eigenen Weg zu und mit dem Gottessohn finden. Er wartet auf Sie …

(Autor: Martin Dierks)

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