Was ist Esoterik, ihre wahre Bedeutung

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was ist Esoterik – der Irrtum
  2. Ein wenig Zauber und Himmel kaufen
  3. Was tut ein Esoteriker?
  4. Hippies, weltfremde Spinner und indische Gurus
  5. Schneller Konsum und Kommerz
  6. Esoterisch leben zwischen Angebot und Nachfrage
  7. Was bedeutet esoterisch leben? Beispiel Astrologie
  8. Entwicklung, Selbsterkenntnis, universelle Lebensgesetze, Gefahren
  9. Ein innerer Weg
  10. Drei Standardfragen
  11. Esoterik: Bedeutung erkennen, Erkenntnisse umsetzen
  12. Ist Esoterik gefährlich? Realistische Gefahren
  13. Aus der Geschichte und von christlicher Gnosis lernen
  14. Von Platon bis zur modernen Anthroposophie
  15. Esoterisches Christentum und Gnosis
  16. Was ist Esoterik? Eine griffige Definition als Fazit
  17. Was ist esoterisch, was nicht, Beispiele & Erfahrungen
Göttliches Auge, symbolisiert in der Esoterik Bewusstsein

Was ist Esoterik – der Irrtum

Viele haben ein falsches Bild von der Esoterik, da sie deren ursprüngliche Philosophie nicht kennen. Viel hängt davon ab, warum und wie man esoterische Lebenshilfen verwendet.

Die Frage, was ist Esoterik nicht, liegt nahe, weil die meisten eine falsche Vorstellung von ihr haben. Lassen Sie uns also zunächst mit Irrtümern aufräumen und den Schleier etwas lüften. Danach verstehen Sie die tatsächliche Bedeutung der Esoterik leichter.

Ein wenig Zauber und Himmel kaufen

Eso-Shops verkaufen Räucherstäbchen, Engelfiguren, Duftlampen, Amulette, Schmuck, Pendel, Runen, Mineralien, ätherische Öle, Hexenutensilien, Wellness-Artikel und Ähnliches. Solche Sachen gelten als „esoterisch“.

Diverse Artikel aus dem Eso-Shop
Was ist Esoterik: typische Artikel

Offenbar verleiht eine solche Bezeichnung den Sachen einen geheimnisvollen, spirituellen oder magischen Touch. Sie erscheinen attraktiver und wertvoller, lassen sich dadurch besser verkaufen. Es weckt die Hoffnung, man kaufe ein kleines Zauberdings oder ein kleines Stück Himmel.

In Wahrheit haben solche Utensilien nur sehr wenig mit echter Esoterik zu tun. Dessen eigentliche Bedeutung liegt nämlich in einem bewussten Leben. Und dieser Lebensstil hängt nicht von Artikeln ab.

Was tut ein Esoteriker?

Welche Beschäftigungen und Themengebiete ziehen einen typischen Esoteriker an? Den meisten fällt dazu Folgendes ein: Tarot, Hellsehen, Engel, seelenverwandt sein und Seelenpartner, Kundalini, Chakras, alte Seelen, geistiges Heilen, Yoga, Meditation, Astrologie, Channeling.
O.K., aber hängt es wirklich nur an der Sache selbst? Nein, genau so wichtig ist, wie und warum jemand z.B. meditiert. Und wer besondere Fähigkeiten hat, z.B. Hellsehen kann, der muss ebenfalls noch lange kein Esoteriker sein – je nach Umgang damit.

Yoga-Übung mit Chakras
Ein Yogi ist noch kein Esoteriker

Viele Menschen betreiben irgendeine Form von Yoga. Die Erfinder des Yoga ebenso wie die vielen älteren Herrschaften, die sich mit Yoga körperlich ertüchtigen, wären aber sehr erstaunt zu hören, sie seien „Esoteriker“.

Es scheint, als ob alles, das die Wissenschaft nicht erklären kann, dadurch „esoterisch“ wird. Doch in Wahrheit können sogar die traditionellen Esoterik-Disziplinen wie Astrologie „unesoterisch“ sein, wenn man sie nicht konstruktiv verwendet.

Warum und wie ich Träume deute, Yoga-Übungen mache usw., darauf kommt es an. Der tiefere Sinn und Zweck der Esoterik, z.B. Entwicklung durch Selbsterkenntnis, darf nicht verloren gehen.

Hippies, weltfremde Spinner und indische Gurus

In der 70er Jahren schwappte ein Esoterikboom nach Europa, der bis heute Wirkung zeigt. Das enge, konservative Weltbild der Nachkriegsgeneration und die erlebnisarmen Naturwissenschaften schürten eine gesellschaftliche Gegenbewegung. Neben der Hippie-Bewegung, die durch freie Liebe, Drogen und Proteste der Gesellschaft mit Flower-Power aufmischte, etablierte sich die sog. Esoterik. Das Unerklärliche und Übersinnliche faszinierte, New Age und das Wassermann-Zeitalter waren in aller Munde.

So manchen schlug die fernöstliche Spiritualität des Buddhismus und Hinduismus in den Bann. Meditation und der Glaube an Reinkarnation eroberte den Westen. Bhagwan, ein charismatischer Sektenführer aus Indien, der sich später Osho nannte und seine in orange gekleideten Sannyasins erweckten mediale Aufmerksamkeit. Anderen stand Thorwald Dethlefsen und seine Reinkarnationstherapie näher. Sein Buch „Schicksal als Chance“ machte ihn zum bekanntesten Esoteriker in Deutschland.

Heute, 50 Jahre später, haben Esoteriker kein gutes Image. Ist irgendetwas unseriös, weltfremd oder abgehoben, dann bezeichnen es manche abschätzig als „esoterisch“. Der schlechte Ruf ist verdient, aber dennoch schade, denn die wahre (!) Esoterik verfolgt edle, spirituelle Ziele.

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Mein Beratungsangebot für spirituelle Lebensberatung, persönlich und telefonisch.
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Schneller Konsum und Kommerz

Um herauszufinden, was nicht wirklich esoterisch ist, hilft ein Blick auf den überwiegend seelenlosen Esoterik-Kommerz. Schnell verdienen und schnell konsumieren treffen dort häufig aufeinander.

Heutzutage fallen die esoterischen Grundgedanken oft dem Kommerz zum Opfer. Ist es z.B. wirklich noch esoterisch im Sinne der „Erfinder“, was viele als Lebensberatung auf Portalen wie viversum für zwei bis drei EUR pro Minute anpreisen? Denken Sie an all die selbsternannten Hellseher, Astrologen und Kartenleger/-innen. Erstaunlich, wie viele z.B. behaupten, zuverlässig in die Zukunft schauen zu können.

Esoterisch leben zwischen Angebot und Nachfrage

Einige wenige Anbieter können wirklich etwas, doch wie viele können damit anderen effektiv helfen? Noch weniger unter ihnen gehen mit gutem Beispiel voran und führen ihr eigenes Leben konstruktiv esoterisch. Die meisten Anbieter betreiben mit ihren Produkten und Dienstleistungen zumindest übertriebene Werbung. Manche täuschen ihre Kunden durch Selbstüberschätzung, manche täuschen sogar absichtlich. 2012 musste Ebay den ausufernden Verkauf von Hellsehereien und ähnlichen Dienstleistungen komplett verbieten. Immer mehr Kunden beschwerten sich über Betrug und die Gefahren.

Kartenlegen, gilt als esoterischBergkristall, hat Bedeutung beim Heilen

Das Kartenlegen spielt eine große Rolle im Esoterikgeschäft, meist um in die Zukunft zu schauen. Solche Vorhersagen sind nicht „esoterisch“ und zudem meistens falsch. Mineralien besitzen bestimmte Schwingungen, doch das Kaufen und Verwenden z.B. eines Bergkristalles bringt Ihre Entwicklung nicht weiter.

Früher gab man esoterisches Wissen nur an reife, ausgewählte Personen weiter. Sie widmeten einen großen Teil ihres Lebens ihrer Berufung, brauchten Ausdauer und mussten Prüfungen bestehen. Heute braucht es nur einen Gewerbeschein und Internet.

Nun zur Nachfrage-Seite. Im Grunde kann heutzutage jeder alles haben, ganz leicht. Man sucht im Internet nach Informationen oder wählt in riesigen Online-Shops unter tausenden Artikeln das Gewünschte aus. Viele konsumieren Esoterik wie eine Tafel Schokolade aus dem Supermarkt. Das Verdauen und Wertschätzen bleibt auf der Strecke; ein nachhaltiger Erfolg ebenfalls. Wen wundert’s.

Was bedeutet esoterisch leben? Beispiel Astrologie

Als psychologischer Astrologe fällt mir vor allem der Astrologie-Kommerz auf. Manche lesen ein paar Astrologiebücher, kennen kaum ihr eigenes Horoskop und nennen sich „Astrologen“. Andere verkaufen Computerhoroskope als angeblich individuelles persönliches Horoskop. Ein wirklich persönliches Horoskop mit sorgfältiger Deutung hat aber nichts mit dem Druck aufs Knöpfchen für ein Computerhoroskop zu tun – selbst wenn es Ihre Geburtsdaten verarbeitet.

Sie kennen nun die moderne Pseudo-Esoterik, aber was bedeutet esoterisch zu leben denn in Wahrheit? Darum soll es nachfolgend gehen, denn die entsprechenden Merkmale lassen sich klar und zuverlässig aufzeigen, z.B. die persönliche Entwicklung durch gelebte Selbsterkenntnis und das Verstehen der universellen Lebensgesetze. Gerade eine professionelle Astrologie erfüllt diese Kriterien vorbildlich, denn sie beruht auf dem hermetischen Analogiegesetz und dient der gelebten Selbsterkenntnis und Entwicklung.

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Entwicklung, Selbsterkenntnis, universelle Lebensgesetze, Gefahren

Echte Esoteriker setzen auf geistig-seelische Entwicklung und Selbsterkenntnis. Sie kennen die universellen Lebensgesetze und leben ihre Erkenntnisse. Sie gewinnen innere Freiheit und führen ein bewusstes Leben.

Das Wort Esoterik ist abgeleitet vom griechischen esoterikos. Esoterikos bedeutet nach innen gerichtet, der Weg nach innen. Esoteriker suchen ihr Heil also im eigenen Inneren, in der Selbsterkenntnis. Früher meinte man damit auch „nicht-öffentlich nur für einen inneren Personenkreis“ oder gar geheim, weswegen oft von Geheimwissen die Rede war.

Die Exoterik hingegen sammelt Wissen durch Beobachtung und Analyse der äußeren Welt. Ihre Erkenntnisse von der Welt da draußen sind objektiv (?), allgemeingültig und jedem zugänglich. Exoterisches Wissen bleibt außerdem oberflächlich, weil es die tieferen, unsichtbaren Vorgänge nicht erfasst. Jede Naturwissenschaft wie z.B. die Schulmedizin vertritt eine solch exoterische Philosophie: Der Patient hat nachweislich Grippe-Viren im Blut, also bekommt er immunstärkende Medikamente. Diagnose und Therapie bleiben beide körperlich. Eigentlich bräuchte er Urlaub und hat sich sich die Viren unbewusst angelacht, weil er dann eine Woche nicht arbeiten muss. Das interessiert keinen.

Ein innerer Weg

Ein „innerer Weg“ heißt keineswegs, das reale Leben da draußen gering zu schätzen. Zum einen nimmt ein echter Esoteriker die Herausforderung an, alle Ereignisse des Lebens als Chance für seine innere Entwicklung zu begreifen. Und mit der bewussten Anwendung der universellen Lebensgesetze, z.B. Karmagesetz, versteht er die tiefere Bedeutung der Ereignisse im Leben. Zum anderen dient die innere Entwicklung mit z.B. Traumdeutung dazu, ein bewusstes, erfüllteres Leben „da draußen“ zu führen.

Treppe in den HimmelLichterfüllte Höhle, symbolisiert Innenschau der Esoterik

Der lange Entwicklungsweg wahrer Esoterik lebt nicht von schnellen, äußeren Erfolgen. Ihre wichtigste Bedeutung liegt darin, im Inneren und Unbewussten, unseren psychologischen Höhlen, Licht zu machen: „Let the sun shine in“.

Drei Standardfragen

Die Frage „was bedeutet Esoterik“, bemisst sich also an folgenden Kriterien: Dient es der Selbsterkenntnis und Bewusstwerdung? Finden in irgendeiner Weise die universellen Lebensgesetze Anwendung? Unterstützt es damit schlussendlich unsere Entwicklung und innere Freiheit?

Gerade bei der Anwendung klassischer Methoden wie z.B. Tarot, Magie oder Astrologie helfen diese Fragen bei der Unterscheidung. So ist z.B. eine direkte, einfache Zukunftsvorhersage mit Hilfe der Tarot-Karten nicht esoterisch. Es dient weder der Selbsterkenntnis noch sonstwie der Entwicklung oder Bewusstwerdung. Eine konstruktive Verwendung universeller Lebensgesetze findet sich ebenso wenig wie ein Zugewinn an innerer Freiheit. Sie machen sich vielmehr abhängig von den fragwürdigen Fähigkeiten eines anderen. Ihre Ängste, Hoffnungen und Wünsche haben Sie nach wie vor im Griff.

Gleiches gilt, wenn Sie energetisch-magische Methoden nur deswegen einsetzen, um damit andere zu manipulieren oder Vorteile zu erlangen. Mit dem inneren Weg der geistig-seelischen Entwicklung hat das nichts zu tun. Also, warum mache ich etwas und was soll es bringen? Jeder echte Esoteriker findet darauf ehrliche, konstruktive Antworten.

Esoterik: Bedeutung erkennen, Erkenntnisse umsetzen

In vielerlei Hinsicht geht es bei echter Esoterik um Bedeutung, um das Erkennen von Bedeutungen. Was hat ein bestimmter Mensch oder ein bestimmtes Ereignis mit mir zu tun, inwiefern hält mir das Leben dadurch einen Spiegel vor? Warum ziehe ich immer wieder ähnliche Menschen an und erlebe ähnliche Vorfälle? Was bedeutet ein bestimmer Traum oder mein Geburtshoroskop?

Es gehört außerdem zwingend dazu, gewonnene Erkenntnisse praktisch anzuwenden und umzusetzen, neue Erfahrungen zu sammeln. Wissen allein genügt nicht. Wahre Esoteriker leben durchaus praktisch und realitätsnah. Sie verlassen die Komfortzone des Lebens und scheuen keine Veränderungen. Selbsterkenntnis erfordert inneren Mut, doch sein Leben zu ändern erfordert ebenfalls Mut. Nur so erntet der geduldig Suchende die Früchte, nämlich innere Freiheit und Ganzheitlichkeit.

Esoteriker meditiert bei der ArbeitSprung von Klippe: Esoterik riskiert Gefahren

Esoterisch leben, d.h., geistige Übungen und Erkenntnisse praktisch ins Leben zu integrieren, z.B. beruflich. Nur wenige jedoch stürzen sich mutig ins Leben und lassen sich bewusst auf Gefahren, Risiken und Veränderungen ein.

Ist Esoterik gefährlich? Realistische Gefahren

Gelegentlich schwirren Berichte durch die Medien, die diese Frage durchaus rechtfertigen: Ist Esoterik gefährlich? In solchen Berichten geht es dann nicht nur um etwas Abzocke und Hokuspokus. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Esoterik Gefahren birgt, die man besser nicht unterschätzt:

  • Die gesamte Beratungs- und Prophezeiungsbranche (Tarot, Hellsehen, Channeln, Astrologie ect.), wenn massive Ängste geschürt oder völlig falsche Hoffnungen geweckt werden. Das Problem hierbei ist, dass die Kunden an das Gesagte glauben und oft entsprechend handeln. Weitere wichtige Stichworte in diesem Zusammenhang: Abhängigkeit und selbsterfüllende Prophezeiung.
  • Laientherapeuten versuchen sich mit fragwürdigen Wundermitteln und Methoden an Patienten. Unverantwortlich wird es spätestens dann, wenn sie Heilung in Aussicht stellen und die Patienten andere Behandlungen beenden sollen.
  • Im Rahmen energetischer Übungen (Yoga, Chakra-Arbeit, Kundalini ect.) baut jemand bewusst oder unbeabsichtigt eine schädliche energetische Verbindung zu anderen auf. Er entzieht dem anderen Energie, macht ihn abhängig und krank. Nicht selten geht es um eine sexuell-energetische Verbindung. Solche Fälle sind mir schon öfters begegnet in meiner Praxis.

Wohlgemerkt handelt es sich hier nicht um die wahre, sondern um die oben beschriebene Pseudo-Esoterik. Manche wissen genau, was sie anrichten, andere glauben tatsächlich, sie leisten gute Arbeit. Im Sinne der früheren Weisheitslehren konstruktiv esoterisch zu leben birgt hingegen nur eine einzige „Gefahr“: unbequem für andere zu sein und sein Leben immer wieder ändern zu müssen bzw. dürfen.

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Aus der Geschichte und von christlicher Gnosis lernen

Die christliche Gnosis und viele bedeutende Persönlichkeiten unserer Geschichte geben uns ein lebendiges Vorbild wahrer Esoterik.

In der Geschichte ragten immer wieder bedeutende Persönlichkeiten und Bewegungen heraus, die den Geist der wahren Esoterik verkörpern. Nichts kann die esoterische Philosophie besser veranschaulichen als deren gelebtes Vorbild. Einen tragischen, besonders wichtigen Platz in der Geschichte nimmt die christliche Gnosis ein.

Von Platon bis zur modernen Anthroposophie

Platon und Aristoteles in der Schule von Athen, Fresko von Raffael
Platon und Aristoteles, antike Vordenker und wahre Esoteriker

Hochkulturelle Ursprünge wahrer Esoterik, als eine gelebte Entwicklungs- und Befreiungslehre, gab es bereits im alten Ägypten. Historisch greifbar wird sie jedoch erst im antiken Griechenland.

Große Philosophen wie Pythagoras, Sokrates, Platon und Aristoteles lehrten bereits Jahrhunderte vor Christus esoterische Weltbilder. Sie waren z.B. überzeugt von einer unsterblichen Seele und der Reinkarnation. Platons Höhlengleichnis und seine Geschichte vom Kugelmenschen sind bekannte Lehrgeschichten zur menschlichen Entwicklung.

1875 ruft Henry Steel Olcott die Theosophische Gesellschaft (TG) in New York ins Leben. Seine Lebensgefährtin, Helena Petrovna Blavatsky, bekannt als Madame Blavatsky oder kurz HPB, steigt zur esoterischen Ikone im 19. Jahrhundert auf. In der damals von Spiritismus und Okkultismus verzerrten Esoterik-Landschaft verbindet Madame Blavatsky verschiedene Philosophien und Religionen zu einer neuen Synthese. Bestseller wie z.B. „Die Geheimlehre“ sichern der TG großen Zulauf und finden noch heute ein Publikum.

Rudolf Steiner leitete die TG in Deutschland, gründete jedoch 1913 seine eigene Bewegung, die anthroposophische Gesellschaft (AG). Seine Lehre verbindet ähnlich der TG christliche Gnosis, fernöstliche Spiritualität und das Rosenkreuzertum zu einer neuen Einheit. Steiner legte Wert darauf, eine vollwertige Geisteswissenschaft zu betreiben. Die Anthroposophie beruft sich nicht nur in diesem Punkt stark auf Johann Wolfgang von Goethe. Steiner sieht die stufenweise Entwicklung des Menschen als aktiv zu gehenden Weg der Selbsterkenntnis und Liebe: „Den Sinn des Lebens verwirklicht die von Weisheit erleuchtete und von Liebe erwärmte Tat des Menschen“. Zu seinem Erbe zählen z.B. die anthroposophische Medizin und die Waldorfschulen.

Rosenkreuz, Kreuz mit Rose in der Mitte
Das Rosenkreuz, Symbol der Rosenkreuzer

Rosenkreuzer, deren Wurzeln in der deutschen Freimaurerei liegen, belebten bereits im 18. Jahrundert das esoterische Gedankengut. Aufgrund diverser Streitigkeiten zersplitterten sich die Rosenkreuzer in viele verschiedene Orden.

Interessant vor allem das Symbol des christlichen Kreuzes mit der Rose in der Mitte, das an die Herz-Jesu-Bewegung der Jesuiten erinnert.

1922 veröffentlicht Hermann Hesse, Nobelpreisträger für Literatur, „Siddharta“, ein Klassiker der Weltliteratur. Hesse erzählt in seinem Roman die Geschichte eines indischen Brahamen auf der erfolgreichen Suche nach Erleuchtung. Die bewegte Lebensreise Siddharthas führt dem Leser vor Augen, wie dies gelingen kann. Im Hinblick auf die Merkmale wahrer Esoterik glänzt der Romanheld vor allem durch die Entschlossenheit, sein Leben neuen Erkenntnissen folgend immer wieder umzukrempeln. Der Wert gelebter Erfahrungen übersteigt das wissende Verstehen bei weitem. Darüber hinaus lehrt uns Siddhartha, dass nur der Mut zum individuellen Anderssein zum Ziel führt.

Esoterisches Christentum und Gnosis

Mehr als die heutige Kirche es ahnen lässt, trägt das Christentum Züge der wahren, echten Esoterik: Im Neuen Testament finden wir esoterische Weisheit vor allem im Johannes-Evangelium und in der Offenbarung des Johannes („Apokalypse“). Außerdem betonen einige der vielen Jesus-Zitate im apokryphen Thomas-Evangelium deutlich den Wert der individuellen Selbsterkenntnis. Selbst Paulus erweist sich durch sein berühmtes inneres (!) Bekehrungserlebnis und dem von ihm geprägten „Christus in mir“ (Gal 2,20; Röm 8,9f.) als erlöster Esoteriker. Seine Beschreibung des menschlichen Entwicklungs- und Verwandlungsweges trägt ebenfalls esoterische Züge (1 Kor 15,35ff.).

Die Enstehung der Gnosis verliert sich im Dunkel der Geschichte, da es keine eindeutige Gründergestalt gibt. Viele Gnostiker berufen sich auf altägyptische Lehren von Hermes Trismegistos oder Imhotep. Obwohl an keine bestimmte Religion gebunden, lebte die bedeutendste Gemeinschaft der Gnostiker in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Sie waren also „esoterische Christen“. Die römische Christenverfolgung und andere Christen beseitigten alle Gnostiker, zuletzt die Templer und Katharer.

Vision des Johannes auf Patmos, Apokalypse
Die Offenbarung des Johannes, esoterisch und gnostisch?

Authentische Gnosis lebt Esoterik mit Herzblut. Gnostiker erstreben eine Erkenntnis (griech. gnosis), die auf das eigene, innere Selbst abzielt, also auf Selbsterkenntnis. Sie erlangen diese nicht primär durch denkendes Verstehen, sondern durch Innenschau, inneres Erleben, Intuition. Ein Gnostiker könnte z.B. über ein Traumsymbol meditieren.

Die individuelle Selbsterkenntnis bewirkt innere Befreiung und Entwicklung, denn es ist die „berührende Weisheit des Herzens“. Zur Gnosis gehört unabdingbar, seine Erkenntnisse praktisch und konkret zu leben, Erfahrungen zu sammeln.

Angesichts der christlich-religiösen Wurzeln und der Betonung innerer Selbsterkenntnis verbindet Gnosis Psychologie und Religion. Kein Wunder, dass sich C. G. Jung selbst als Gnostiker sah. Schließlich macht gerade diese Verbindung aus Psychologie und religiöser Spiritualität die spirituelle Psychotherapie nach Jung so besonders.

Was ist Esoterik? Eine griffige Definition als Fazit

Eine zuverlässige und sinnvolle Definition von Esoterik fällt nicht schwer, da sie vier wichtige Lebensgebiete vereint, die alle auf eine reiche und gut erforschte Geschichte zurückblicken: Religion, Philosophie, Spiritualität und Psychologie.

Jenseits des meist oberflächlichen Kommerzes, Weltflucht und Halbherzigkeit ist die wahre, echte Esoterik

  • kein Hobby, sondern ein way of life, eine Lebensphilosophie, die
  • nach innen gehend durch eine gefühlte Selbsterkenntnis und
  • durch Kenntnis der universellen Lebensgesetze bzw. ewigen Wahrheiten als sog. „Philosophia perennis et universalis“
  • psychologisch-spirituelle Entwicklung anstrebt, die sich durch
  • schrittweise ganzheitliche Integration aller Persönlichkeitsanteile und
  • wachsende innere Freiheit von Bedürfnissen, Wünschen und Verhaltensmustern auszeichnet und
  • ihre gewonnenen Erkenntnisse immer wieder mutig und veränderungsbereit im Leben umsetzt, um auf diese Weise
  • irgendwann das große Ziel jeder Seele zu erreichen, für das es viele Namen gibt: Einswerdung mit Gott, Unio mystica, chymische Hochzeit, buddhistische Erleuchtung oder kosmisches Bewusstsein.

Dieses esoterische Endziel sehen wir z.B. in der Auferstehung Jesu Christi verwirklicht. Viel wichtiger für alle Suchenden ist jedoch, dass Jesus neben Ziel auch den Weg dorthin vorgelebt hat. Jeder kann diesen zeitlos gültigen Weg gehen.

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Was ist esoterisch, was nicht, Beispiele & Erfahrungen

Grau bleibt jede Theorie, egal, wie gut eine Definition erarbeitet sein mag. Abschließend daher einige konkrete Beispiele und Erfahrungen aus dem wahren Leben, was im Sinne der ursprünglichen Lehre tatsächlich esoterisch ist und was nicht.

Wahre Esoterik bedeutet z.B.

  • am nächsten Tag entschlossen „Nein“ zu jemanden zu sagen, wenn ein Traum Sie mahnend als zu weich und nachgiebig darstellt;
  • den Symbolcharakter, den nicht nur Träume, sondern ganz ähnlich das reale Lebensgeschehen hat, zu durchschauen und nach der Bedeutung zu fragen;
  • die Bedeutung des scheinbar zufälligen Treffens einer bestimmten Person zu erkennen;
  • das Höhere Selbst z.B. in einer Meditation finden zu wollen;
  • sich die spirituelle Bedeutung von Krankheiten bewusst zu machen;
  • den Partner als eine wichtige Person anzuerkennen, die bestimmte Teile der eigenen Persönlichkeit widerspiegelt, angenehme und unangenehme;
  • den eigentlichen Sinn von Karma, Reinkarnation bzw. Wiedergeburt zu erfahren;
  • die tiefere Bedeutung von Tod und Sterben zu erkennen; der Tod ist Teil des Lebens und beschäftigt viele außerdem im Traum; im Traum sterben ist ein häufiges Traumthema mit einer sehr wichtigen Botschaft;
  • sich zu fragen, welchen höheren Sinn die Eltern gerade mit ihren Fehlern für die eigene Entwicklung hatten und die Erfahrungen zu verarbeiten;
  • sich ein Leben lang immer wieder die zentrale Frage „wer bin ich“ durch ein persönliches Geburtshoroskop und andere seriöse Hilfen zur Selbsterkenntnis beantworten.

Esoterisch ist z.B. nicht

  • sog. „positives Denken“ a la Joseph Murphy, Norman Vincent Peale, Dale Carnegie und anderen Vertretern dieser Branche;
  • immer nur nett sein wollen und weichgespültes Gerede von Licht und Liebe überall;
  • sich in Hypnose erwünschte Dinge suggerieren zu lassen;
  • sich pseudo-religiösen Sekten wie Scientology oder einem Guru anzuschließen, der Sie manipuliert und ausnutzt;
  • sich aus Angst, Egoismus oder ähnlich ungeeigneten Gründen die Zukunft vorhersagen zu lassen;
  • sich in ein früheres Leben rückführen zu lassen, nur um festzustellen, ob man nicht mal was Besonderes war;
  • die Welt verbessern wollen, ohne vorher das eigene Leben wenigstens halbwegs im Griff zu haben;
  • veränderte, höhere Bewusstseinszustände über Drogen zu erzwingen;
  • sich regelmäßig magische Amulette, esoterischen Schmuck, Sternzeichen-Duftkugeln und ähnliche Utensilien aus dem Eso-Shop zu bestellen;
  • wie im Esoterik-Handbuch vorgeschlagen bei Vollmond auf eigene oder gar fremde Warzen zu pinkeln (kleiner Scherz zum Abschluss).

(Autor: Martin Dierks)

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